Einleitung
Synthesizer sind elektronische Musikinstrumente, die durch unterschiedliche Formen der Klangsynthese Töne erzeugen. Aus musikalischer Sicht gehören sie damit zu den Elektrophonen (deutsch etwa ‚Elektroklinger‘). Seit dem Erscheinen erster kommerzieller Geräte Mitte der 1960er Jahre sind Synthesizer ein fester und mitunter stilprägender Bestandteil der Rock- und Pop-Musik.
Für die Klangsynthese existiert eine Vielzahl von Mechanismen. Sie alle haben zum Ziel, Schwingungen mit Frequenzen im hörbaren Bereich zu erzeugen und zu beeinflussen. Damit bieten Synthesizer – neben ihrer musikalischen Bedeutung – auch ein Umfeld zur physikalischen Untersuchung einfacher und komplexer Schwingungsvorgänge.
Während die Synthesizer der ersten Generation noch die Größe eines Kleiderschranks besaßen, existieren heute neben kompakten analogen und digitalen Geräten auch reine Software-Synthesizer, die auf Standard-PCs und Tablets laufen. Die (zum Teil kostenfreie) Verfügbarkeit solcher Systeme stellt ein weiteres Argument für die Nutzung von Synthesizern zur Untersuchung von Schwingungen dar.
An dieser Stelle setzt der vorliegende Bericht an. Anhand eines Software-Synthesizers werden einfache und komplexere Schwingungsverläufe erzeugt und modifiziert. Neben der physikalischen Beschreibung der jeweiligen Schwingungen soll auch der sich daraus ergebende Höreindruck charakterisiert werden. Details der menschlichen Hörwahrnehmung liegen dabei jedoch außerhalb des Rahmens dieses Berichts.
Grundlagen
Schwingungen und Klänge
In der Physik bezeichnet der Begriff Schwingung die zeitlich
periodische Änderung einer beliebigen physikalischen Größe. Im
einfachsten Fall wird eine Schwingung durch eine Sinus- oder
Kosinusfunktion beschrieben. Für eine allgemeine Größe
Dabei bezeichnet
In der Akustik wird ein Schallereignis, das aus einer einzigen harmonischen Schwingung besteht, als Ton bezeichnet. Leider werden die Begriffe ›Ton‹ und ›Klang‹ in Akustik und Musik unterschiedlich verwendet. In der Musik besteht ein Ton aus mehreren harmonischen Schwingungen. Die Frequenzen dieser Harmonischen sind dabei allesamt ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz, also der niedrigsten vorhandenen Frequenz. In der Akustik entspricht dies dem Begriff Klang. Musikalisch wiederum entsteht ein Klang aus der Mischung mehrerer Töne. Die auftretenden Frequenzen lassen sich dann nicht mehr als Vielfache einer einzelnen Frequenz angeben.
Entscheidend für einen Ton in der Musik ist, dass ihm eine Tonhöhe
zugeordnet werden kann. Die wahrgenommene Tonhöhe wird bestimmt durch
die Frequenz der Schwingung, die diesen Ton erzeugt. Bei mehreren
vorhanden Frequenzen (wie es für einen musikalischen Ton
charakteristisch ist), bestimmt in der Regel die Grundfrequenz, also die
niedrigste vorhandene Frequenz die Tonhöhe. Große Frequenzen erzeugen
dabei hohe Töne, während niedrige Frequenzen zu tiefen Tönen führen. Der
als Referenz für das Stimmen von Instrumenten häufig genutzte
„Kammerton“ A (musikalisch: eingestrichenes A,
Die vorliegende Arbeit folgt keiner der oben aufgeführten Begriffsdefinitionen streng, sondern orientiert sich an der allgemeinsprachlichen Verwendung der Wörter Ton und Klang. Eine derart scharfe Abgrenzung zwischen den Begrifflichgkeiten wie oben angegeben liegt bei dieser Verwendung nicht vor.
Ein Klang, der durch die Überlagerung mehrerer harmonischer
Schwingungen ensteht, stellt einen komplexen Schwingungsvorgang dar.
Zudem ändert sich diese Schwingung im Verlauf der Zeit vom Anklingen
über ein (mehr oder minder) konstantes Aushalten des Klangs bis zum
Abklingen. Zur Erzeugung derartiger Vorgänge, ebenso wie zu deren
Charakterisierung, braucht es geeignete Werkzeuge. Für die Klangsynthese
existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Herangehensweisen, von denen
das Prinzip der subtraktiven Synthese für diesen Bericht vorwiegend
genutzt wird. Für die Charakterisierung von Klängen dient zunächst die
grafische Darstellung des zeitlichen Schwingungsverlaufs in einem
Fourier-Transformation
Wie oben bereits erwähnt, besteht ein Klang aus mehreren Schwingungen
unterschiedlicher Frequenz. Die Analyse der Frequenzzusammensetzung
einer komplexen Schwingung beruht auf dem Fourier-Theorem. Dieses
besagt, dass jeder periodische Vorgang (oder mathematisch ausgedrückt:
jede periodische Funktion) als Summe von Harmonischen ausgedrückt werden
kann. Mathematisch erfolgt der Übergang von einer zeitabhängigen
Funktion
Mathematisch betrachtet liefert die Fouriertransformation auch
Amplitudenwerte für negative Frequenzen. Im Sinne der Akustik sind
jedoch nur Frequenzen
Ist die Funktion
Es sei angemerkt, dass die Fouriertransformation nicht auf periodische Funktionen beschränkt ist. Das oben angegebene Fourierintegral lässt sich auf beliebige Funktionen anwenden. Die Fouriertransformation enthält dann keine scharfen Peaks sondern eine breitere Intensitätsverteilung.
Umgekehrt zur obigen Vorgehensweise lässt sich aus einem
Frequenzspektrum
Der in beiden Gleichungen auftretende Vorfaktor
Ohne die Normierungsfaktoren hätte das Ergebnis nach Hin- und Rücktransformation andere Absolutwerte als die Ausgangsfunktion.
Die oben angegebene Gleichung der Fouriertransformation bezieht sich
auf eine als Funktionsgleichung gegebene Funktion
An dieser Stelle sei noch auf zwei Eigenschaften eines durch diskrete Fouriertransformation erzeugten Frequenzspektrums hingewiesen:
- Die größte erfassbare Frequenz wird durch die zeitliche Auflösung
der
-Kurve bestimmt. Je besser diese Auflösung (höhere Abtastrate), umso größere Frequenzen können erfasst werden. Die Abtastrate bestimmt also die hochfrequente Grenze der DFT, wobei die maximale Frequenz nicht höher als die Hälfte der Abtastrate sein kann 1. - Die kleinste erfassbare Frequenz und somit die Frequenzauflösung
wird bestimmt durch die zeitliche Dauer des
-Signals. Je größer diese Dauer ist, umso kleinere Frequenzen können erfasst werden und umso feiner wird die Auflösung des Frequenzspektrums.
Methoden der Klangsynthese
Für die Erzeugung eines Klangs haben sich verschiedene Herangehensweisen etabliert. Alle diese Formen der Klangsynthese erzeugen ein jeweils charakteristisches Klangbild und weisen für den musikalischen Einsatz spezifische Vor- und Nachteile auf.
Aus physikalischer Sicht mag es naheliegend erscheinen, einen gewünschte Klang als Fourier-Synthese durch Kombination einer (mehr oder minder großen) Anzahl harmonischer Schwingungen zusammen zu setzen. Tatsächlich wird dieses Prinzip der additiven Synthese auch in einigen Synthesizern angewendet. Ihre Realisierung wurde aber erst durch digitale Geräte praktisch möglich. Die ersten Synthesizer arbeiteten mit rein analoger Elektronik. Für jede Harmonische würde hier ein eigener Schwingkreis benötigt, die allesamt zueinander (und in einer Band auch zu anderen Instrumenten) in Stimmung gehalten werden müssten. Angesichts von unvermeidbaren Instabilitäten der einzelnen Schwingkreise (unter anderem bedingt durch Temperaturabhängigkeit der einzelnen Bauelemente) war dies für mehrere zehn Schwingkreise, wie sie für die additive Synthese eines Klangs erforderlich wären, praktisch nicht realisierbar. Ein Vor- und Nachteil gleichermaßen der additiven Synthese ist die Vielzahl der einzustellenden Parameter, da für jede Harmonische einzeln Lautstärke und zeitlicher Verlauf einzustellen sind. Das erlaubt sehr viele Freiheitsgrade bei der Gestaltung eines Klangs, erfordert aber gleichzeitig auch einen entsprechend hohen Aufwand bei der Einstellung dieser Parameter.
Neben Synthesizern die vollständig oder überwiegend auf der additiven Synthese beruhen, besitzen auch andere Typen häufig eine additive Komponente, da die Schwingungen verschiedener Oszillatoren überlagert werden.
Die ersten kommerziellen Synthesizer nutzten das Prinzip der subtraktiven Synthese, was bis heute vielleicht so etwas wie der ‚klassische‘ Synthesizer ist. Hierbei wird von einem Oszillator eine obertonreiche Schwingung wie Rechteck- oder Sägezahnschwingung erzeugt. Durch nachgeschaltete Filter wird dann das Obertonspektrum dieser Schwingung modifiziert, indem bestimmte Frequenzanteile gedämpft werden – daher auch die Bezeichnung subtraktive Synthese. Auch der für diesen Bericht eingesetzte Software-Synthesizer nutzt hauptsächlich das Prinzip der subtraktiven Synthese. Die typischen Elemente eines solchen Geräts (beziehunsgweise einer solchen Software) werden im Laufe dieses Berichts anhand ihres jeweiligen Einsatzes vorgestellt und sollen hier nicht vorweggenommen werden.
Neben den oben beschriebenen Typen der Klangsynthese existiert eine Vielzahl weiterer Syntheseformen. Dazu gehören unter anderem die Frequenzmodulations- (FM) Synthese, die Wavetable-Synthese oder das Physical Modelling. Eine tiefergehende Beschreibung aller dieser Syntheseformen liegt jedoch außerhalb des Rahmens dieses Berichts. Eine praxisorientierte Einführung in die verschiedenen Syntheseformen ist beispielsweise in 2 zu finden.
Experimentelle Details
Verwendete Geräte & Software
Für diesen Bericht wurde der Software-Synthesizer AudioKit Synth One verwendet, der für iPad und iPhone verfügbar ist. In seinen Grundfuktionen bildet diese Software einen klassischen substraktiven Synthesizer nach, bietet aber darüber hinaus Möglichkeiten, die über die eines klassischen Geräts hinausgehen. Ein Überblick über die Funktionen des SynthOne ist in 3 zu finden. Auf die einzelnen Features dieser App soll im Verlaufe dieses Berichts bei ihrer jeweiligen Anwendung eingegangen werden.
Hardwareseitig kommt ein Apple iPad Pro (12,9 Zoll) zum Einsatz, auf dem die Synth One App betrieben wird. Die Ausgabe der erzeugten Klänge erfolgt über die Kopfhörerbuchse. Zur Pegeleinstellung und Signalverteilung wird ein kleines Audio-Mischpult (Behringer XENYX Q802USB) benutzt. Da dieses die erzeugten Klänge unbeeinflusst lassen soll, wurden alle Klangregler in eine neutrale Position gebracht. Zur Klangbeurteilung wurden einfache In-Ear-Kopfhörer oder Lautspreche verwendet, die an den Kopfhörerausgang beziehundsweise den Monitorausgang des Mischpults angeschlossen wurden. Die Aufzeichnung der Schwingungsverläufe erfolte mit einem USB-Oszilloskop (PicoScope 2205A), das an den Ausgang (Main Out) des Mischpults angeschlossen war. Anzumerken ist, dass hierbei nur der linke Kanal genutzt wurde. Stereo-Effekte des Synthesizers lassen sich damit nicht abbilden und blieben in diesem Bericht unberücksichtigt. Aufnahme der Schwingungsverläufe und Berechnung von Frequenzspektren via FFT erfolgten in der Software PicoScope 7.
Zum Spielen des Synthesizers besitzt Synth One eine virtuelle Klaviertastatur, die direkt auf dem Display gespielt wird. Aufgrund der besseren Handhabung wurde dies ergänzt durch ein MIDI-Masterkeyboard (Nektar SE 49), das via USB mit dem iPad verbunden war.
Vorgehensweise
Der Funktionsumfang von Synth One bietet einen weiten Gestaltungsspielraum für die Erzeugung von Klängen. Der Schwerpunkt dieses Berichts liegt jedoch nicht auf einer möglichst komplexen Klangsynthese, sondern auf der physikalischen Sichtweise auf die Erzeugung und Modifierung von (akustischen) Schwingungen. In diesem Sinne beginnen die Untersuchungen mit den grundlegenden Schwingungsformen und arbeiten sich danach durch verschiedene Aspekte der Klangbeeinflussung. Zur quantitativen Beurteilung der Klänge werden sowohl die Darstellung des zeitlichen Schwingungsverlaufs als auch das zugehörige Frequenzspektrum genutzt. Ergänzt wird dies an einigen Stellen durch die Beschreibung des Klangeindrucks der durch die jeweilige Schwingung hervorgerufen wird. Letzteres ist selbstverständlich eine subjektive Angelegenheit und erhebt nicht den Anpruch einer umfassenden Klangbeurteilung.
Messgrößen
Am Oszilloskop werden grundsätzlich Spannungen gemessen. Dementsprechend erfolgen Amplitudenangaben als Spannungswerte. Absolutwerte der Amplituden besitzen dabei keine Aussagekraft, da sie von der Einstellung des Tablets (Lautstärke am Kopfhörerausgang) und des Mischpults abhängig sind. Relevant sind Amplitudenverhältnisse unterschiedlicher Oberschwingungen.
Da sich die Amplitudenwerte der in einem Klang enthaltenen
Schwingungen oftmals über mehrere Größenordnungen erstrecken, erfolgt
insbesondere in den Frequenzspektren eine Angabe des Spannungspegels
wobei als Bezugswert
Auf diese Weise lassen sich Amplitudenverhältnisse direkt aus den jeweiligen Pegeln ermitteln. Eine Umrechnung der Einzelpegel in Spannungswerte ist nicht erforderlich.
Messungen, Ergebnisse und Diskussion
Grundlegende Schwingungsformen
Ausgangspunkt für die Klangsynthese ist die Erzeugung einer (oderm mehrerer) Schwingung(en). Subtraktive Synthesizer bieten hierfür in der Regel verschiedene Schwingungsformen an.
Für die Untersuchungen in diesem Abschnitt werden nur die jeweiligen Schwingungserzeuger genutzt. Alle anderen Elemente der Klangbeeinflussung werden auf ein möglichst neutrales Verhalten eingestellt. Konkret bedeutet das:
- Der Filter ist auf Low Pass eingestellt, wobei die Cutoff-Frequenz auf den maximalen Wert gestellt ist. Die Resonanz des Filters ist auf ihr Minimum gestellt.
- Für die Amplitude Envelope sind alle Zeiten
(Attack, Decay, Release) auf Null gestellt. Für das Sustain sind
eingestellt.
Sinusschwingung
Die grundlegendste Schwingungsform ist eine reine Sinusschwingung. In der verwendeten Synthesizer-App ist diese Schwingungsform ein wenig versteckt, da sie sich nicht bei den beiden Oszillatoren (Abschnitte OSC 1 & OSC 2 im Tab MAIN) befindet. Stattdessen findet sich die Sinusschwingung als Trägerfrequenz des FM-Synthesizers (Abschnitt FM im Tab MAIN). Um eine reine Sinusschwingung auszugeben muss daher der Volume-Regler im FM-Abschnitt auf einen endlichen Wert eingestellt werden, während alle anderen Klangerzeuger (OSC 1, OSC 2, Sub und Noise) auf Null eingestellt werden.
Mit diesen Einstellungen wurde der Ton


In der Wahrnehmung erscheint ein solcher Sinuston zunächst als eher weich und dumpf. Der Ton weist im zeitlichen Verlauf keinerlei Veränderungen auf. Daher wird er bereits nach wenigen Sekunden, in denen er unverändert klingt, als störend empfunden.
Dreieckschwingung
Die Synthesizer-App bietet die Dreieckschwingung doppelt an (OSC 1 und OSC 2). An dieser Stelle wird nur OSC 1 verwendet, für den die Wellenform auf Dreieck gestellt wird (DCO 1 Morph 0.00). Alle anderen Klangerzeuger (OSC 2, Sub, FM, Noise) werden stumm gestellt.
Gespielt wurde wiederum der Ton


Das zugehörige Oszillogramm (obige Abbildung) zeigt die (aufgrund der
Einstellungen erwartete) Dreieckform im zeitlichen Verlauf. Da es sich
hierbei nicht um eine harmonische Schwingung handelt, enthält die
Fouriertransformierte mehrere Peaks. Neben der Grundfrequenz, die
weiterhin maßgeblich für die wahrgenommene Tonhöhe ist, treten höhere
Frequenzen auf. Im Frequenzspektrum wurden die Position und die Höhen
der einzelnen Peaks vermessen. Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden
Tabelle zu finden. Frequenz und Pegel wurden jeweils aus der
Fouriertransformierten abgelesen. Die Frequenz ist dabei in Schritten
von
|
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|
---|---|---|---|---|
1 | 439,6 | -8,58 | 1 | 1 |
3 | 1320,2 | -27,83 | 0,1090 | 0,1111 |
5 | 2199,4 | -36,29 | 0,0412 | 0,0400 |
7 | 3080,1 | -42,91 | 0,0192 | 0,0204 |
9 | 3959,2 | -47,02 | 0,0120 | 0,0123 |
11 | 4839,9 | -51,30 | 0,0073 | 0,0083 |
13 | 5719,1 | -53,55 | 0,0056 | 0,0059 |
15 | 6598,2 | -57,08 | 0,0038 | 0,0044 |
Die Tabelle zeigt, dass bei der Dreieckschwingung neben der
Grundfrequenz (erste Harmonische) nur die ungeradzahligen Vielfachen
dieser Frequenz auftreten. Erwartungsgemäß folgen die Amplituden der
einzelnen Harmonischen im Wesentlichen den Verhältnissen
Weitere Schwingungsverläufe
Die Synth-One-App bietet als weitere elementare Schwingungsformen an: Rechteck, Puls, Sägezahn. Detaillierte Analysen wie oben für die Dreieckschwingung ließen sich für alle diese Formen durchführen, sollen an dieser Stelle jedoch nicht einzeln besprochen werden. Statt dessen erfolgen hier nur einige allgemeine Bemerkungen.
Für alle Verläufe, die keine reine Sinus- oder Kosinusschwingung darstellen, enthält das Frequenzspektrum mehrere Peaks, die mit wachsender Frequenz in ihrer Amplitude abfallen. Die einzelnen Schwingungsformen unterscheiden unterscheiden sich insbesondere darin,
- ob alle Oberschwingungen, oder nur (un-) geradzahlige auftreten sowie
- wie schnell die Amplituden der Oberschwingungen mit wachsender Frequenz abnehmen.
Für den Klang dieser Schwingungsformen lassen sich die bisher getroffenen Aussagen weiterführen: Je reicher ein Klang an Obertönen ist (d.h. höhere Anzahl und/oder größere Amplituden der Obertöne) desto heller und schärfer wird er empfunden.
Überlagerung von Schwingungen
Werden zwei (Sinus-) Töne der Form
gleichzeitig gespielt, so überlagern sich ihre Schwingungen additiv. Die jeweilige Anfangsphase wurde in den obigen Formeln aus Gründen det Übersichtlichkeit nicht beücksichtigt. Aus den Rechenregeln für Winkelfunktionen folgt die Äquivalenz folgender Ausdrücke:
Für die Überlagerung von Schwingungen bietet die Synth-One-App zwei Herangehensweisen:
- Bei Verwendung eines Schwingungserzeugers (OSC 1 / 2, FM, Noise) werde gleichzeitig verschiedene Töne auf der Klaviatur gespielt.
- Es werden zwei unterschiedliche Schwingungserzeuger aktiviert.
Im ersten Fall lassen sich nur die musikalischen Intervalle entsprechend der Halbtonschritte realisieren. Im zweiten Fall sind durch die Möglichkeit der „Verstimmung“ einzelner Schwingungserzeuger beliebige Frequenzkombinationen möglich. Selbstverständlich ist auch eine Kombination beider Herangehensweisen möglich: bei mehreren aktivierten Schwingungserzeugern werden mehrere Töne gleichzeitig gespielt.
Musikalische Intervalle
Musikalische Intervalle werden nach der Anzahl der Schritte auf der
Tonleiter benannt. Für die Betrachtungen in diesem Abschnitt wird
jeweils der Ton



Eine Oktave bedeutet die Verdopplung der Frequenz. Die obigen
Verläufe entsprechen der Überlagerung zweier Schwingungen mit den
Frequenzen
Das Intervall der Oktave erzeugt einen als angenehm empfundenen
Zusammenklang der Töne. Begründet ist dies im einfachen (d.h. kleinen
ganzzahligen) Frequenzverhältnis von




Für die obigen Darstellungen wurde der entstehende Ton über eine
Dauer vor
Als weitere grundlegende Intervalle sollen die Terzen behandelt
werden. Die nachfolgende Abbildung zeigt den Schwingungsverlauf der
großen Terz


Während bei den vorherigen Beispielen die additive Überlagerung der
beteiligten noch im Kurvenverlauf erkennbar war, zeigt sich bei den hier
auftretenden Frequenzverhältnissen ein anderes Erscheinungsbild der
resultierenden Schwingung: Das Oszillogramm erscheint als Schwingung
einer Frequenz, die in regelmäßigen Zeitabständen Maxima und Minima
ihrer Amplitude durchläuft. Diese Form entspricht der rechten Seite der
oben angegebenen Äquivalenz der Winkelfunktionen: Die (Sinus-)
Schwingung der Frequenz


In der Wahrnehmung erscheinen die Terzen aufgrund des kleineren
Frequenzverhältnisses etwas weniger wohlklingend als die Quinte.
Außerdem werden große und kleine Terz unterschiedlich empfunden. So ist
die große Terz für den hellen und fröhlichen Charakter des
Dur-Dreiklangs (
Schwebung
Wie oben bereits festgestellt führt die Überlagerung zweier
Schwingungen mit geringem Frequenzunterschied zur Ausbildung einer
Resultierenden, deren Amplitude periodische Minima und Maxima aufweist.
Bei den oben behandelten Terzen betrugen die Zeitabstände zwischen
aufeinanderfolgenden Minima weniger als
Mit der hier verwendeten App lassen sich nicht zwei unabhängige
Sinusschwingungen erzeugen. Daher wird hier zunächst mit zwei
Dreieckschwingungen gearbeitet. Dafür sind die beiden „Oszillatoren“
(OSC 1 & OSC 2) jeweils auf Dreieck eingestellt. Ihre Lauststärken
(Abschnitt Volume) sind auf identische Werte und der Mix auf


Das Oszillogramm zeigt das periodische An- und Abschwellen der
Amplitude. Die Einhüllende hat die Frequenz
Ursache der Schwebung ist eine sich periodisch ändernde
Phasenverschiebung
Im Frequenzspektrum zeigt sich die Schwebungsfrequenz nicht. Dort sind alle additiven Komponenten abzulesen, jedoch nicht die daraus resultierende Einhüllende. Da hier zwei Dreieckschwingungen überlagert wurden, zeigt auch das Frequenzspektrum im Wesentlichen eine Peakfolge, wie sie weiter oben bereits für eine einzelne Dreieckschwingung untersucht wurde. Durch die Überlagerung stehen in diesem Fall nun an jeder Position zwei Peaks mit der entsprechenden Frequenzdifferenz.
Die Synthesizer-App erlaub auch die Überlagerung unterschiedlicher
Schwingungsverläufe. Ausgehend vom vorigen Beispiel wurde OSC 2 auf eine
Rechteckschwingung eingestellt. Alle anderen Parameter blieben
unverändert. Wiederum wurde der Ton


Aufgrund der Frequenzverschiebung entsteht auch hier eine Schwebung
mit einer Periodendauer von
Im zugehörigen Frequenzspektrum lassen sich die Unterschiede im
Obertonspektrum ablesen. Beide Schwingungsformen setzen sich zusammen
aus der Grundfrequenz und ihren ungeradzahligen Peakpositionen.
(Zusätzlich erscheinen kleinere Peaks die mathematisch zu keiner der
beiden Schwingungen gehören und als Artefakt dieser App auftreten). An
den einzelnen Peakpositionen erscheinen jeweils zwei unterschiedlich
hohe Peaks, wobei der jeweils linke Peak (kleinere Frequenz) in diesem
Fall zur Dreieckschwingung (OSC 1, ohne Detune) und der jeweils rechte
Peak (höhere Frequenz) zur Rechteckschwingung (OSC 2, Detune
Ausblick
Die Möglichkeiten, die Synthesizer für die musikalische Gestaltung oder eben – wie in diesem Bericht – für physikalische Untersuchungen bieten, sind schier endlos. In den bisherigen Abschnitten wurde nur wenige elementare Funktionen benutzt. Für weitere Schritte bietet sich beispielsweise die Untersuchung der Wirkung von Filtern (Hoch-, Tief- oder Bandpass) an. Für die klangliche Gestaltung ist darüber hinaus die Beeinflussung des zeitlichen Verlaufs eines Tons maßgeblich, die bisher vollkommen unbeachtet blieb. Doch auch dies sind lediglich Grundfunktionalitäten eines Synthesizers. Fortgeschrittenere Features warten dann immer noch auf ihre (klangliche und physikalische) Untersuchung.
All diese Dinge in einen einzigen Bericht zu packen, würde den Rahmen sprengen. So bleibt am Ende dieses Berichts die Feststellung, dass es wohl das Beste ist, selbst mit dem Probieren und Experimentieren zu beginnen, und die weiteren Kapitel selbst zu entdecken…
Quellenverzeichnis
Diskrete Fourier-Transformation auf https://de.wikipedia.org (abgerufen am 26.08.2024 11:02 Uhr)↩︎
Sam MacGuire und Nathan Van der Rest, The Musical Art of Synthesis, Focal Press 2016↩︎
Francis Preve, Audiokit Synth One The Ultimate Guide, E-Book als PDF (https://audiokitpro.com/images/AudioKitSynthOne-Guide.pdf) oder via Apple Books↩︎