TUC Logo

Aufgabensammlung Experimentalphysik

Dr. Herbert Schletter

Pumpspeicherwerk

Aufgabenstellung

Das Pumpspeicherwerk Markersbach im Erzgebirge ist das zweitgrößte seiner Art in Deutschland. Auf den Internetseiten des Betreibers finden sich hierzu folgende Informationen: Das Kraftwerk liefert eine maximale elektrische Leistung von Pel=1046 MWP_\mathrm{el} = 1046~\mathrm{MW}. Hierfür nutzt es sechs Turbinen, die jeweils einen Wasserdurchfluss von 70 m3s70~\frac{\mathrm m^3}{\mathrm s} aufweisen. Die Fallhöhe (Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterbecken) beträgt Δh=288 m\Delta h = 288~\mathrm m. Bei vollständig gefülltem Oberbecken kann das Kraftwerk vier Stunden unter Volllast betrieben werden.

  1. Welches Wasservolumen muss im Oberbecken gespeichert sein, um die genannte Betriebsdauer zu gewährleisten?
  2. Berechnen Sie den Wirkungsgrad der Stromerzeugung in diesem Kraftwerk (bezogen auf die mechanische Energie des Wassers).
  3. Die erzeugte elektrische Energie wird mit einer Spannung von U=380 kVU=380~\mathrm{kV} in das Übertragungsnetz eingespeist. Welcher Strom fließt dabei, wenn das Kraftwerk mit maximaler Leistung arbeitet?

Lösung Teil 1

Der Wasserdurchfluss einer Turbine sei mit qq bezeichnet. Das erforderliche Wasservolumen ergibt sich aus dem Wasserdurchfluss aller 6 Turbinen und der Betriebsdauer tB=4 h=43600 st_\mathrm B = 4~\mathrm h = 4\cdot 3600~\mathrm s:

V=6qtB=6,05106 m3.V = 6\cdot q t_\mathrm B = 6{,}05\cdot 10^6~\mathrm{m^3} \, .

Lösung Teil 2

Der Wirkungsgrad ergibt sich als Quotient aus abgegebener elektrischer Leistung und zugeführter mechanischer Leistung:

η=PelPmech.\eta = \frac{P_\mathrm{el}}{P_\mathrm{mech}} \, .

Die elektrische Leistung ist in der Aufgabenstellung gegeben. Ausgangspunkt für die Bestimmung der mechanischen Leistung ist die potentielle Energie des Wassers im Oberbecken:

Epot=mgΔh=VρgΔh,E_\mathrm{pot} = mg\Delta h = V \rho g \Delta h \, ,

wobei die Masse des Wassers durch Volumen VV und Dichte ρ\rho ausgedrückt wurde. Die mechanische Leistung ergibt sich durch das Hinabströmen des Wassers:

Pmech=dEpotdt=dVdtρgΔh.P_\mathrm{mech} = \frac{\mathrm d E_\mathrm{pot}}{\mathrm d t} = \frac{\mathrm d V}{\mathrm d t}\rho g \Delta h \, .

Der Ausdruck dVdt\frac{\mathrm d V}{\mathrm d t} wiederum entspricht der Durchflussmenge 6q6q durch alle Turbinen:

Pmech=6qρgΔh.P_\mathrm{mech} = 6q \rho g \Delta h \, .

Für den Wirkungsgrad folgt daraus:

η=Pel6qρgΔh=0,88=88 %.\eta = \frac{P_\mathrm{el}}{6q \rho g \Delta h} = 0{,}88 = 88~\% \, .

Lösung Teil 3

Die elektrische Leistung ergibt sich als

Pel=UI.P_\mathrm{el}=UI \, .

Für die gesuchte Stromstärke folgt daraus

I=PelU=2,75 kA.I = \frac{P_\mathrm{el}}{U} = 2{,}75~\mathrm{kA} \, .