Um mich gleich kulturell etwas einzustimmen hatte Benjamin Karten für das Schwannensee-Ballett besorgt. Und so konnten wir Sonntagabend eine Aufführung im Opern- und Balletthaus von Kiew erleben.
Seit zwei Tage war Moskau nun ständigem Regen ausgesetzt, ein guter Zeitpunkt um meinen knapp dreiwöchigen sehr eindruchsvollen Aufenthalt hier zu beenden!
Für die Zugfahrt nach Kiew hatte ich die 2. Klasse, also Купе gebucht. Und so kam es dann, dass ich zusammen mit einer Russin (Mathematikern) und zwei Ukrainern (der eine sah aus wie Captain Piccar, der andere wie Elten) für 12h in einem Zugabteil eingesperrt war. Die Zugfahrt war sehr schön, die oft beschriebene Gastfreundlichkeit konnte ich hier wieder einmal spüren. Ich hatte nichts zu Essen dabei, was die drei aber nicht daran hinderte, mit mir zu Teilen und mich zum Tee einzuladen.
An der Grenzen war ich dann der einzige, der richtig kontrolliert wurde, ein Deutscher der aus Russland in die Ukraine einreist, scheint nicht zur Normalität zu gehören. Der eine Grenzer konnte nicht einmal meinen Pass einem Land zuordnen, nur gut das Captain Piccar ab und zu beim Aufklären geholfen hat.
Ansonsten war dieser Abend mein schönster in Moskau. Ein lauer Sommerabend, gute Stimmung, nette Leute... endlich konnte ich die vielbeschriebenen eigenen Atmosphäre von Moskau fühlen, ein guter Abschluss, wenn's am schönste ist, soll man ja bekanntlich aufhören...
Gegen 20:30 Uhr hatten wir St.
Petersburg verlassen und sind auf unsere 9h Rückreise nach Moskau
aufgebrochen. Die Rückfahrt verlief ähnlich zur Hinfahrt, nur waren
alle diesmal viel müder und sind dementsprechend auch schneller
schlafen gegangen.
Da die Metro in Moskau ihren Betrieb erst 6:00 Uhr aufnimmt, musste wir noch etwas vor verschlossenen Toren warten, bis wir dann wieder im Wohnheim ankamen, duschen und den restlichen Schlaf nachholen konnten.
Da mit der Tag nicht ganz sinnlos wurde, hatte ich mir wenigstens für nachmittags noch den Besuch des Puschkinmuseums für Schöne Künste vorgenommen. Neben einer ganzen Menge Skulpturen aus der römischen und griechischen Region gab es auch hier wieder Gemälde des 18. und 19. Jhds. sowie Ägyptische Kunstobjekte zu sehen. Berühmt ist dieses Museum u.a. für den sogenannten Schliemannschatz. Dabei handelt es sich um kostbare (Gold-)Funde aus der antiken Stadt Troja. Schliemann hatte Anfang des 20. Jhd in der Türkei Rest von Troja entdeckt und anschließend u.a. den Schmuck nach Deutschland geschmuggelt um ihn dort auszustellen. Nach dem zweiten Weltkrieg galt der Schatz von Troja offiziell als verschollen. Erst nachdem die russische Duma kurz vor 2000 ein Gesetzt verabschiedet hatte, nachdem Beutekunst offiziell russisches Eigentum wurde, hat man sich ,,getraut'' zuzugeben, dass die Funden in Russland sind und sie letztendlich ausgestellt...
Ansonsten hat mir dieses Museum persönlich sehr gut gefallen. Es ist nicht unendlich groß. Bei der Präsentation der einzelnen Objekte hat man sich meiner Meinung nach mehr Mühe gegeben, als z.B. in der Ermitage. Die Gestaltung der Räume richtet sich hier sehr stark, nach den Ausstellungstücken und schaft somit ein angemessenes Ambiente.