Umrüstung einer DDR-Punktschweißzange „TZ5.0“ mit Mikrocontroller

Ausgangssituation

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Die Punktschweißzange

Eine defekte Punktschweißzange war Stein des Anstoßes: Die Thyristorsteuerung arbeitete auf Dauerzündung, aber es war kein defektes Bauteil zu finden.

Den Schaltplan habe ich wie folgt ausgelesen:

Schaltplan
Schaltplan, auch als Eagle-Quelle verfügbar

Bei der Punktschweißzange gibt es keine Stromvorgabe. Nur eine Zeitvorgabe. Der linke Teil des Schaltplans bis zum Optokoppler ist das entsprechende Monoflop. Der rechte Teil ist die trickreiche Schaltung zur Ansteuerung zweier antiparalleler Thyristoren im Nulldurchgang. Wie der rechte Thyristor schließlich angesteuert wird, erschließt sich mir nicht. Für DDR-Bauelemente gibt es diese Übersicht.

Gespeist wird die Zange mit zwei Phasen aus dem Drehstromnetz, also mit 400 Volt einphasiger Wechselspannung. Daher genügt auch eine dünnere (als im Foto), dreipolige Anschlussleitung mit 1,5 mm² Adernquerschnitt. Ich hätte mich auch gewundert, wie die Zange mit echtem Drehstrom funktioniert.

Nach langer, erfolgloser Fehlersuche wurde entschieden, die Schaltung neu, mit modernen Bauelementen und mit Triac aufzubauen. Und wenn man schon Bauelemente ersetzt, warum nicht einen Mikrocontroller zur Nulldurchgangssteuerung einsetzen?

Umbau

Der Einsatz eines Mikrocontrollers vereinfacht die Hardware für die Zündung am Nulldurchgang enorm, weil fast alles in Software läuft. Und wenn man schon einen Mikrocontroller verwendet, warum nicht gleich per Phasenanschnitt eine Möglichkeit der Stromvorgabe nachrüsten?

So wurde ein zweites Potenziometer zur Stromvorgabe dazu gesetzt, sowie eine Leuchtdiode zur Anzeige, ob Netzspannung anliegt.

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Bedienteil

Der Schaltplan mit Mikrocontroller ist geradezu lächerlich; der meiste Aufwand steckt in der Bereitstellung seiner Versorgungsspannung. Wie für Triacschaltungen üblich wird der Steuerschaltkreis mit einer negativen Betriebsspannung versorgt, um den Triac mit herausfließendem Strom zünden zu können („günstige“ Steuerquadranten).

Schaltplan
Neuer Schaltplan, natürlich auch als Eagle-Quelle

Die Stromversorgung erfolgt mittels kapazitivem Blindwiderstand C1 und C2, unverändert aus der alten Schaltung, sowie Einweggleichrichtung mittels D2 und D3. Der Rest ist Siebung und Stabilisierung. Die Versorgung ist für den Betrieb an 230 V oder 400 V Wechselspannung dimensioniert.

Alle Bedienelemente sowie der Triac sind weitestgehend direkt an den Mikrocontroller angeschlossen. Es genügt ein 8-beiniger ATtiny13, der mit seinen drei A/D-Wandlern die Lage der beiden Potenziometer sowie die Spannung über dem Triac misst.

Neu ist die Piezokapsel, mit der eine akustisches Signal im Fehlerfall abgegeben wird. Ihre Kapazität sorgt unter anderem dafür, dass der Start-Taster S1 entprellt ist und diese Leitung keine Störimpulse einfängt (also Doppelfunktion). Leider fällt der Summton im Muster zu leise aus. Von rauen Betriebsumgebungen ganz zu schweigen.

Der Aufbau erfolgte kurzerhand auf der alten Platine, durch Entfernung aller nicht mehr benötigten Bauelemente (also fast alles) und geschicktes Platzieren der neuen Bauteile.

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Neue Bestückung auf alter Leiterplatte. Der Mikrocontroller steckt in einem Sockel. Weil gerade kein Durchstecktyp vorrätig war, wurde ein SMD-Typ auf eine Adapterplatine gebaut und diese gesteckt

Das Bedienteil wurde neu verdrahtet. Änderungen ergeben sich insbesondere durch die ratiometrische Arbeitsweise der Potenziometer, die nun als Spannungsteiler arbeiten. Im wesentlichen wurde die Anschlussbelegung am 14-poligen Steckverbinder beibehalten.

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Verdrahtung der Bedienelemente

Die Firmware

Auf dem ATtiny13 kann man mittels WinAVR in C programmieren. Also warum nicht? Das Programm ist relativ einfach gestrickt. Dennoch ist der Kodespeicher (Flash) des ATtiny13 fast voll geworden.

Die Firmware benutzt 3 A/D-Wandler-Kanäle sowie Timer und EEPROM und hat folgende Eigenschaften:

Gebrannt wurde die Firmware auf einem einfachen Programmiergerät (paar Drähte vom Druckerport auf ein Breadboard). Aber auch In-System-Programmierung ist möglich, wenn man die Potenziometer in Mittelstellung bringt und die Schaltung mit einem Trenntrafo speist.

Das Arbeiten mit dem EEPROM des ATtiny13 geht am einfachsten mittels PonyProg2000. Die Position der Speicherzellen ergibt sich aus dem Programm-Quelltext, Struktur persistent_t.

Richtiges Open-Source geht bis hin zur Quelle der Beschriftungsetiketten! Diese wurden mit Tesafilm laminiert und mit Pritt-Alleskleber (Flasche) auf das Gerät geklebt.


Henrik Haftmann, 081010