Phasenfinder
Dieses Gerät dient zur Zuordnung der drei Drehstrom-Anschlussadern einer
(Werkzeug-)Maschine zu den Leitern einer in der Werkhalle installierten
CEE-Drehstromsteckdose.
Der Zweck ist, die für die Leistunsmessung erforderliche Spannungsmessung
ohne Anklemmen von Messkabeln zu bewerkstelligen (berührungslos),
sondern die Spannung an der CEE-Drehstromsteckdose abzugreifen.
Die Strommessung erfolgt berührungslos mittels 2-3 Stromzangen,
die auf die richtigen Adern platziert werden müssen.
Zusätzlich zu dem im Foto rechts gezeigten Handgerät
gibt es ein Muktifunktions-Basisgerät
mit CEE-Stecker und diversen Steckdosen.
Eine Drehrichtungserkennung ist damit nicht vorgesehen oder möglich.
Das kann die Leistungsmesser-Software machen.
Es werden für den Betrieb keine Akkus, Batterien oder sonstige
kurzlebige Bauelemente verwendet.
Schaltungsbeschreibung
Die Schaltung kommt ohne Mikrocontroller und — naja — ohne Hilfstransformator aus.
Schaltplan, handgemalt
Handgerät
Rechts im Schaltplan befindet sich das Handgerät
mit dem schnabelförmigen E-Feld-Sensor.
Die Wechselspannung des Leiters wird über den kapazitiven Spannunsteiler
aus Koppelkapazität und Schirmkapazität verringert und mit dem Schutzwiderstand
2,2 MΩ dem Schmitt-Trigger-NAND-Einzelgatter zugeführt.
Dessen Eingangsschutzdioden begrenzen die Spannung auf CMOS-Pegel.
Das Gatter ermöglicht den Anschluss beliebig langer Verlängerungsleitungen
ohne kapazitiven Einfluss.
Der Schnabel besteht aus doppelseitigem Leiterplattenmaterial, dessen
Außenseite zwecks Entkopplung zu benachbarten anderen Adern geerdet ist.
Auf dem Handgerät befinden sich drei Leuchtdioden,
die bei Koindizenz mit der jeweiligen Referenzphase verlöschen.
An das Basisgerät angeschlossen wird das
Handgerät
mit einer beliebig langen 9-poligen SubD-Verlängerungsleitung,
wie sie im PC-Bereich für serielle Schnittstellen üblich war und ist.
Basisgerät
Im Basisgerät
wiederholt sich die kapazitive Ankopplung an die drei Phasen.
Die kapazitiv-ohmschen Spannungsteiler sollten die gleichen Werte aufweisen
wie im Handgerät (konstruktiv bedingt).
Das vom Handgerät kommende CMOS-Signal
wird mit dem oberen XOR-Gatter
invertiert und den drei Phasenvergleichern (3 untere XOR-Gatter) zugeführt.
Bei idealer Phasengleichheit ist der Ausgangspegel ständig LOW,
ansonsten mehr oder weniger HIGH (siehe Diagramme im Schaltplan rechts unten).
Die anzeigenden Leuchtdioden sind ohne Vorwiderstände an den Ausgängen der
XOR-Gatter angeschlossen, für praktikablen Einsatz im
Handgerät.
Der CMOS-Schaltkreis 4030
ist dafür hochohmig genug.
Zur Stromversorgung dient ein kapazitiver Blindwiderstand 470 nF
(im Schaltplan 220 nF) in Verbindung mit einer nachfolgenden
Gleichrichter-, Sieb- und Stabilisierungsschaltung.
Das bisschen Schaltung passt auch bequem in das Gehäuse eines CEE-Steckers.
Berührungsschutz
Im Ansteckmoment des CEE-Steckers kann es passieren,
dass der Neutralleiter N Spannung führt.
Diese ist auf der SubD-Buchse herausgeführt,
dort mittels falscher Anschlusskabel (Stecker-Stecker) berührbar.
Deshalb der Hinweis, erst Stecker in die Steckdose,
dann Handgerät anschließen.
Beim Nachbau sollte statt N durchgehend der Schutzleiter
PE verwendet werden, sowie zur Stromversorgung
ein Potenzial trennender kleiner Transformator.
Beim Verbleib des kapazitiven Blindwiderstandes gegen Schutzerde
kann ein Fehlerstrom-Schutzschalter auslösen.
Da derartige Schutzschalter im Industriebereich unüblich sind,
kann auch diese Art der (gegenüber einem Trafo äußerst energieeffizienten)
Stromversorgung bestehen bleiben
Anwendung zur Leistungsmessung
- Spannungsmesseinrichtung am Basisgerät anschließen,
bspw. direkt mit
Sicherheitsbananenkabeln
am
Yokogawa WT3000
oder via eingebauten Spannungsteilern gegen PE an
NI USB-6259.
- Basisgerät an CEE-Steckdose anschließen
- Handgerät mit benötigtem Verlängerungskabel
anschließen
- An den Zuleitungen zur (Werkzeug-)Maschine im Schaltschrank die Phasen
ausfindig machen;
die entsprechende LED verlischt, die anderen leuchten etwas heller.
- Passende Stromzange auf die Ader setzen
- Leistungsaufnahme, Verzerrungsblindleistung usw. messen und auswerten
(das Handgerät wird nicht mehr benötigt
und kann entfernt werden)
Vergleichbares
Ein ähnliches Gerät bietet die amerikanische Firma
TASCO an.
Es ersetzt den Draht durch eine Funkverbindung,
benötigt dafür 9-V-Blockbatterien.
Beide Teilgeräte werden berührungslos betrieben;
der Betrieb eines Basisteils direkt am Stromnetz ist nicht vorgesehen.
(Die galvanische Verbindung mit der Netzspannung wird für die präzise
Leistungsmessung bei uns ohnehin benötigt.)
Zusätzlich ist das Gerät in der Lage, die Drehrichtung zu erkennen
sowie die Phasenlage einige Zeit nach dem Abgriff zu merken,
so dass man mit nur einem Gerät an zwei entfernten Punkten
die Phasenlage vergleichen kann; Hauptsache, man läuft schnell genug.
Henrik Haftmann, letzte Änderung:
09.02.2012